Like a virgin

Unser wöchentliches Chorleben läuft in der Regel nach dem gleichem Schema ab: Am Wochenende schreibt Sina oder Hanna eine Chormail. In der erläutern sie, was wir in der vergangenen Probe gesungen und gelernt haben und was wir in der kommenden Probe singen werden. Dann bereiten wir uns – manchmal mehr, manchmal weniger – darauf vor und sind für den Donnerstagabend – manchmal mehr, manchmal weniger – gewappnet.

Neulich stand „Schwarzwaldklinik“ mal wieder auf dem Probenplan. Als es soweit ist, gibt Guido die Töne an und wir legen los und singen. Selten singen wir ein Lied direkt komplett durch. Manchmal fangen wir mit den letzten Takten an. Manchmal mit den ersten. Manchmal singen wir auch nur ein Stück aus der Mitte. Dieses Mal singen wir von Anfang an. Und direkt durch bis zum Ende.

Nach dem letzten Takt fragt uns Guido ganz unschuldig, ob wir den ESC gesehen hätten. Und Madonnas Auftritt. Dass sie über die Bühne gestolpert sei. Und maximal jeden zweiten Ton getroffen hätte. Zustimmendes Nicken. Bis Guido hinterher schiebt: bei eurer Schwarzwald-Version gerade musste ich daran denken. Da waren wir wohl mal weniger gewappnet und es hörte sich offensichtlich eher so jungfräulich an, als hätten wir es noch nie gesungen. (Was aber nur für wenige Neu-Sängerinnen zutrifft.)

Vor dem ESC hätte uns ein Vergleich mit Madonna natürlich wahnsinnig stolz gemacht. Nach dem ESC nicht mehr. Und so nehmen wir diesen Vergleich als Ansporn, um besser als Madonna zu werden.

Ob das geklappt hat, hört ihr bei unserem nächsten Konzert.

T minus 5 Wochen

„The final countdown“ zählt leider (noch) nicht zu unserem Repertoire. Dennoch hat für uns der finale Countdown begonnen. Jede Woche versorgt uns Hanna oder Sina mit einer Probenmail. Und dieses Mal lesen wir: es sind nur noch fünf reguläre Proben bis zu unserem nächsten Konzert. Und obwohl wir bereits hier und da auf der Bühne gestanden haben, ist es das nächste Mal doch etwas Besonderes: wir stehen nicht auf unserer „Heimatbühne“ wie bei den fast schon traditionellen 3-Königinnen-Konzerten. Und wir stehen auch nicht als Gast auf der Bühne. Wir stehen ganz alleine – quasi fernab der Heimat – auf der Bühne: in Muffendorf. Und es ist nicht nur der Ort, der dieses Konzert zu etwas Besonderem macht. Es ist auch die Vorbereitung. Natürlich müssen wir die Noten lernen. Die Texte. Die Choreographie. Wir müssen unsere Kleiderschränke nach farblich Passendem durchforsten. Wir müssen uns aber auch um Plakat und Flyer sowie deren großräumige Verteilung kümmern. Um die Eintrittskarten, die Vorkasse und die Abendkasse. Die Presse und die Gema. Um dies und um das. Manches mussten wir bei den bisherigen Konzerten auch. Anderes nicht.

Wie gut uns das gelungen ist, erlebt ihr spätestens in fünf Wochen in Muffendorf.

Aufgelesen

„Ich würde gerne in den Film von Claude Lelouch gehen, Florentine hat ihn erwähnt, sie kennt ihn aber schon aus Paris.“
Klaus hob die Brauen „Ein Mann und eine Frau?
„Die Musik von Francis Lai soll großartig sein. Seine erste Filmmusik.“

(…)

Zu dritt kamen sie aus dem Kino, hatten Claude Lelouchs Ein Mann und eine Frau angesehen und waren hingerissen. Robert, Alex, Klaus. (…)
„Diese langen Kamerafahrten“, sagte Alex. „Und die Musik.“
„Dabadabada“, sang Klaus. „Chance pur toi et moi, encore une fois.

Carmen Korn, Zeiten des Aufbruchs,
Seite 488 und Seite 495

Und wer neugierig auf diese großartige Filmmusik ist kommt zu unserem nächsten Konzert.

Klamotten-Challenge

Vor unserem ersten Konzert kam irgendwann die Frage auf „was ziehen wir überhaupt an?“. Guido hat ziemlich schnell klar gemacht, dass er keinen „Bunte-Schal-Chor“ möchte. Das ist einerseits natürlich schade. Gibt es etwas Leichteres, als sich einmal schwarze Klamotten zu kaufen und dann einfach beim Konzert einen Schal umzuwerfen? Wohl nicht. Andererseits ist es natürlich wesentlich abwechslungsreicher: wir sehen nicht alle gleich aus und können unser Aussehen dem Programm-Namen anpassen. Damit wir aber doch irgendwie zusammen passen, kümmern sich immer zwei Sängerinnen um die Kleidungs-Farbe. So sehen wir alle unterschiedlich aus, passen aber wunderbar zueinander und zum Konzertthema. Für unser Drei Königinnen-Konzert haben sich Jenni und Marlis Gedanken gemacht. Und das ist ihr Farbschema:

Verschiedene Dreiecke, Vierecke sowie Kreise in unterschiedlichen Rot- und Grautönen.

Nicht nur für diejenigen, die überwiegend blaue und grüne Klamotten im Schrank haben, eine Herausforderung. Challenge accepted!

Und wer sehen möchte, wer wie die Herausforderung gemeistert hat, kommt am 6.1.19 in die Brotfabrik Bonn.

Kölner sind auch nur Menschen

Bevor Guido im August 2017 den Bonner Filmchor ins Leben gerufen hat, hat er bereits seit fast zehn Jahren den von ihm gegründeten Filmhaus Chor in Köln geleitet (und macht dies immer noch). Wir sind also quasi die kleine Schwester von den Kölnern. Und wenn man sich die Videos des Filmhaus Chores anschaut (oder eines der Konzerte besucht), sitzt man mit offenem Mund vor dem Computer (oder im Publikum) und kann nur noch eines denken: WOW. Und nochmals wow. Wir Bonnerinnen schauen zu diesen Kölner Göttern auf. In Ehrfurcht erstarrt. Und wenn wir mal groß sind, wollen wir auch so singen können.

Aber auch in Köln gibt es Grippeviren und so kommt es wie es kommen musste: für das Konzert Ende April im Kulturzentrum Hardtberg sind zu viele aus Köln erkrankt und es bleiben nur zwei Möglichkeiten: das Konzert abzusagen oder die kleine Schwester um Hilfe zu bitten. Und so fragt uns Guido, ob wir Lust haben, den Filmhaus Chor bei dessen Konzert in Bonn zu unterstützen. Wir? Die wir uns noch kein Jahr kennen? Wir, die wir gerade mal sechs Lieder auf die Bühne gebracht haben? Wir, mit den Kölnern zusammen? In einem Konzert? Tjaaaaaa, puh. Wir diskutieren lange darüber, ob wir uns das zutrauen. Ob wir nicht untergehen, neben diesen Kölnern. Schließlich haben sie neun Jahre Erfahrung. Wir keine neun Monate. Wir machen eine Bestandsaufnahme: wer hat an dem Tag überhaupt Zeit? Bei welchen Liedern sind die Stimmgruppen ausgewogen? Wer könnte noch umlernen? Schließlich wagen wir es und sagen zu.

Die folgenden Proben sind anspruchsvoll. Und fruchtbar. Wir wollen uns ja nicht blamieren. Weder vor dem Publikum. Noch vor den Kölnern. Und dann kommt der Tag. Der Tag des Konzertes. Unser erstes Treffen mit den Kölnern. Den Göttern persönlich. Bereits um 14 Uhr treffen wir uns am Veranstaltungsort. Beim gemeinsamen Einsingen lernen wir unsere große Schwester kennen. Und unsere große Schwester uns. Und dann geht es an den Feinschliff, die Kölner fangen an: Guido gibt die Töne. Er gibt den Einsatz. Die Kölner singen los. Ein, zwei Töne. Dann winkt Guido ab. Irgendetwas stimmte da nicht. Das ist nicht schlimm und das passiert uns auch häufiger. Aber es ist der Moment in dem uns Bonnerinnen die Erkenntnis trifft: diese Kölner sind auch nur Menschen. Menschen, die hart arbeiten, um großartig Singen zu können. Und auch bei diesen Menschen klappt nicht immer alles. Zumindest nicht in den Proben.

Der Rest des Abends ist schnell erzählt: es war großartig. Die Kölner waren großartig. Und auch wir waren für unsere neun Monate großartig. Natürlich gibt es zwischen uns und unserer großen Schwester qualitative Unterschiede. Vor uns liegen noch eine Menge Arbeit und eine Menge Spaß, um dieses Niveau zu erreichen. Der Respekt gegenüber den Kölnern ist geblieben. Die Ehrfurcht aber, die haben wir in Duisdorf zurückgelassen.

As time goes by

Wie die Zeit vergeht. Eben stand noch in der Zeitung, ein neuer Chor würde gegründet, schon ist ein halbes Jahr vergangen.

Ende August 2017 ging’s los mit „Trust in me“ aus dem Dschungelbuch sowie dem Thema aus Star Wars. Bis zum Ende des Jahres haben wir bereits in acht Lieder rein geschnuppert (unter anderem auch in „as time goes by“) und mehr oder weniger intensiv daran gearbeitet. Sechs von diesen Liedern sind in einem Stadium, dass wir sie Anfang Januar auf die Bühne bringen können. Um die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, nennt Guido unseren Konzertabend „Rohschnittgesänge“. Unser erster gemeinsamer Auftritt. Für manche sogar die Bühnenpremiere. Da sechs Lieder allerdings nicht für einen ganzen Abend reichen, singt Lisa alleine noch drei Stücke und Silvi, Antje, Susanne und Sabine als Quartett ebenfalls.

Zu unser aller Überraschung haben wir so viele Fans mobilisiert, dass die Brotfabrik zu klein ist. Kurzerhand verzichten wir auf eine Konzert-Pause und singen das Konzert einfach zwei mal hintereinander. Einerseits eine unglaubliche Tatsache. So viele wollen uns hören, dass sie nicht alle in den Saal passen? Krass. Andererseits eine unglaublich anstrengende Tatsache.

Guido und Sina führen uns und das Publikum galant durch den Abend. An dessen Ende wir zwar erschöpft aber auch sehr, sehr euphorisch und glücklich sind. Sogar das Fernsehen war da. Freu. Das Konzert ist der Abschluss unseres ersten Kurses und offensichtlich gute Werbung: einige neue Sängerinnen melden sich an und singen mit. Vielleicht der Beginn wunderbarer Freundschaften.

Chorgründung – Sängerinnen & Sänger gesucht!

Für den Bonner Filmchor suchen wir filmmusikbegeisterte Sängerinnen und Sänger, in allen Stimmlagen, die Lust auf das ambitionierte Abenteuer haben, Filmmusik a cappella zu singen.

Du solltest die Lust und Ausdauer mitbringen, gemeinsam ein einmaliges Chorensemble auf die Beine zu stellen, das seine Ergebnisse in Aufführungen souverän und humorvoll nach außen trägt. Ziel ist, nach einer Konsolidierungs- und Findungsphase in Kooperation mit verschiedenen kleinen und großen Bonner Institutionen in unterschiedlichen Formaten aufzutreten.

Wir werden vier- bis zwölf-stimmige Arrangements erarbeiten, was Engagement, stimmliche Souveränität und Begeisterung voraussetzt.

Genau das Richtige für dich? Dann sing mit!